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Megogrobas gaumardschoß! - Auf die Freundschaft!

04.06.2018 - "Gaumardschoß! Sei siegreich!", mit diesen Worten erhebt der Georgier sein randvoll mit Wein gefülltes Glas und, nachdem er wortreich die Freundschaft zwischen Deutschland und Georgien in einem Tost gepriesen hat, leert er selbiges in einem Zug. Das war nur eine von vielen bemerkenswerten Erlebnissen auf einer ungewöhnlichen Reise in das Land unserer Partnerschule, nach Tiflis in Georgien.


13 Schülerinnen und Schüler und drei Lehrkräfte machten sich in den Pfingstferien auf den Weg in die ferne Kaukasusrepublik, zum Gegenbesuch in der 20. Öffentlichen Schule in Tiflis, der georgischen Hauptstadt. Mit im Gepäck an die hundert Kilo Sachspenden wie Spielzeug, Kinderbücher, Sportbekleidung, Fußbälle oder 3 CD-Player für die Partnerschule sowie eine Geldspende von 500,00 Euro der SMV für einen Kindergarten in Westgeorgien am Schwarzen Meer. 

Dorthin, in die Provinz Gurien, ging es zunächst nach der Landung in Kutaisi, der zweitgrößten Stadt des Landes. Gleich nach der Ankunft um vier Uhr morgens bekamen wir einen Vorgeschmack auf die legendäre georgische Gastfreundschaft: eine lange und reich gedeckte Tafel (georgisch supra) mit den landestypischen Kostbarkeiten: chatschapuri, einem mit Käse gefülltem Fladenbrot, khinkali, Teigtaschen mit Fleisch, dazu Salate, Obst, Kuchen  und - was auf keiner georgischen Tafel fehlen darf - Wein. Ein wirklich herzlicher Empfang der georgischen Familie von Herrn Reichel, der sechs Jahre als entsandter Lehrer in Georgien tätig war und auf dessen Initiative die Schulpartnerschaft gründet. Und während Schwägerin Hatuna immer neue Teller mit Essen auftischte, machte indes Herr Reichel die Gruppe mit den Gepflogenheiten und Tischsitten des Landes bekannt. Es bot sich noch so manche Gelegenheit diese zu zelebrieren. 

Nach einem Besuch des Botanischen Gartens in Batumi, wunderschön gelegen am Steilufer zum Schwarzen Meer stand am nächsten Tag der Besuch und die Übergabe der SMV-Spende im Kindergarten der Gemeinde Naghobilevi an. Es regnete durch das marode Dach der Einrichtung. Nichtsdestotrotz auch hier wieder ein herzlicher Empfang durch die Erzieherinnen und Eltern von etwa 20 Kleinkindern, die mit neugierigen Augen gespannt auf die Kisten und Plastiktüten sahen, die deutschen Gäste im Gepäck hatten. Unglaubliche Freude über die Spiel- und Malsachen und über die Geldspende der SMV in dieser kleinen mit einem alten Ofen beheizten Kindertagesstätte in diesem abgelegenen ländlichen Winkel Georgiens. 

An den beiden nächsten Tagen ein weiteres Highlight der Reise: In Begleitung von Leluka, Maco, Elene und Mariam, vier Absolventinnen der Partnerschule, ging es in einer sechsstündigen Fahrt nach Svanetien in die sagenumwobene Bergwelt des Kaukasus. Die Wanderung zu einem Gletscher am Berg Ushba, bzw. der Ausflug in den Unescco-Weltkulturerbe-Ort Uschguli bildeten eine Art Zeitreise in eine scheinbar (noch) unberührte Bergwelt mit ihren mittelalterlichen Wehrtürmen, Kirchen, Feldarbeit mit Handpflug und Ochsenkarren. 

Nun ging es in die georgischen Hauptstadt Tiflis. Die Stadt an der Kura (georg. mtkwari) ist ein melting pot der verschieden Kulturen und Ethnien an der Scheide zwischen Europa und Asien. Wenigen dürfte bekannt sein, dass es auch eine kleine deutsche Minderheit in Georgien lebte, die sog. Kaukasiendeutsche, die ihre angestammte Heimat in Württemberg zu Beginn des 19.Jh. verließen und südlich des Kaukasus eine neue Heimat fanden. Vor genau 200 Jahren trafen die ersten Siedlergruppen in Katharinenfeld ein, dem heutigen Bolnisi. Hier konnten auf einer gemeinsamen Tour mit Zehntklässlern die noch gut erhaltenen Straßen und Wohnhäuser der schwäbischen Pietisten bestaunen. 

Die  verbleibenden fünf Tage standen im Zeichen der schulischen Begegnung. Die 20. Schule „Guram Ramishvili“ bereitete uns - wie könnte es anders sein- einen liebevoll organisierten  Empfang mit georgischen Tänzen, Liedern Musikstücken vorgetragen unter anderen von den jüngsten Deutschlernen der Schule aus einer 3. Klasse. Im anschließenden  Freundschaftsspiel gegen die versierten Kicker der Partnerschule schlugen sich unsere Jungs tapfer, aber erfolglos. Die als Gastgeschenke der Mettnau-Schule mitgebrachten Fuß- und Sportbälle, sowie eine Trikot-Spende fanden großen Beifall bei den georgischen Partnerschülern.

Ein Vorlesenachmittag in deutscher Sprache rundete den ersten Begegnungstag an der Schule ab. Der  Montag stand im Zeichen des Deutschunterrichtes gestaltet von der Mettnau-Schule. Unter fachkundiger Anleitung von Julian, Thomas und Luka lernten die Georgier traditionelles Liedgut und Feierkultur vom Bodensee. Mit Inbrunst wurde die „Vogelhochzeit“ zur Blasmusik gesungen. Sarah und Erik informierten über die SMV an unserer Schule, Alicia und Judith bastelten mit den Kleinen zum Thema Bauernhof und Carola und Alina gestalteten eine Märchenstunde zu den Gebrüdern Grimm. Mit einem georgischen Tanzworkshop und einer Stadtführung von Schülern durch die Tifliser Altstadt verabschiedeten sich unserer Gastgeber. 

Was wird bleiben von der Austauschfahrt? Viele wertvolle Eindrücke aus und große Sympathie für ein kleines Land und seine Bewohner im südlichen Kaukasus. Auf jeden Fall ein bemerkenswerter Blick auf das Leben und den Alltag fernab der süddeutschen Heimat. Und vielleicht auch die ein oder andere georgisch-deutsche Romanze...?  Sich'waruls gaumardschoß! - Auf die Liebe!

Text & Bilder: Robert Reichel

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