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Altenpflegeausbildung und Studium Hand in Hand – Geht das?

19.06.2017 - Seit kurzem ist die Mettnau-Schule Kooperationspartner der Katholischen Hochschule Freiburg und bietet Schulplätze für den mit der Ausbildung verschränkten Bachelorstudiengang "Angewandte Pflegewissenschaft" an. Tobias Leber, Holger van Riesen und Christof Toscha sind Altenpflegeschüler der Mettnauschule Radolfzell. Seit dem Wintersemester 2016/2017 studieren sie „nebenbei“ angewandte Pflegewissenschaft an der Katholischen Hochschule Freiburg und gelten daher als die Pioniere der Pflegewissenschaft im Landkreis Konstanz. Die drei Wissenschaftsneulinge berichten von ihren ersten akademischen Erfahrungen, den unterschiedlichen Reaktionen aus deren Umfeld und den beruflichen Perspektiven, die das Studium ermöglicht.

„Was bedeutet „angewandte Pflegewissenschaft“? Was wird an der Katholischen Hochschule in Freiburg gelehrt“?

Holger van Riesen antwortet auf diese Frage: „Norbert Blüm sagte einmal, pflegen könne jeder“. Damit geht eine Entwertung der Altenpflege in der öffentlichen Wahrnehmung einher. Das Berufsbild ist anspruchsvoller, als man gemeinhin denken könnte. Um die Pflege zu professionalisieren, das Image der Pflege in der Öffentlichkeit zu stärken und die Qualität der Pflege auf der Grundlage eigenständiger Forschung zu steigern, wurde vor etwa 20 Jahren in Deutschland die Pflegewissenschaft aus der Taufe gehoben. Der Anspruch des Studiengangs ist eine auf pflegewissenschaftlichen Studien basierende Pflege zu etablieren, die das pflegefachliche Erfahrungswissen von Pflegefachkräften ergänzen, aber nicht ersetzen soll. Im Kern geht es um einen Theorie-Praxis-Transfer im Berufsalltag. Die Inhalte des Studiums sind bislang wissenschaftliches Arbeiten, der Umgang mit Expertenstandards und forschendes Lernen. Der Zeitaufwand hierfür ist überschaubar und bei einem funktionierenden Zeitmanagement sehr gut machbar. Pro Semester gibt es drei Präsenzseminare von je zwei bis drei Tagen. Dazwischen arbeiten wir als „normale“ Pflegeschüler in unserer Ausbildungseinrichtung oder gehen in die Berufsfachschule für Altenpflege der Mettnauschule.

„Worin bestand die Intention und Motivation, das Studium zu starten?“

Mangels ausführlicher Informationen und konkreter Erfahrungen zu diesem neuen ausbildungsbegleitenden Studien-Konzept war da zunächst nur Neugier, das Bedürfnis nach Lernen und der Reiz des wissenschaftlichen Arbeitens und Experimentierens. Und natürlich finde ich es – nach wie vor – spannend, mit Mitte 50 (Christof Toscha) meinem Leben noch mal frische Impulse einzuhauchen.


„Welche Reaktionen aus dem sozialen Umfeld gibt es auf das ausbildungsbegleitende Studium?“

„Wow, neben der Schule noch ein Studium, Respekt“. „Du hast ja sonst nix zu tun“. „Was lässt sich damit anfangen?“ „Was hat die Pflege davon?“ -Die Reaktionen reichen von Neugier über Interesse bis hin zu Unwissenheit. Tobias Leber berichtet, dass seine Einrichtung erst durch ihn über diese Möglichkeit des Studiums erfahren habe und im Laufe der Zeit das Interesse der Kollegen dafür stetig steigt. Der Fokus der angewandten Pflegewissenschaft liegt im Qualitätsmanagement und nicht in der Vorbereitung auf klassische Leitungsfunktionen in Heimen oder Kliniken. Dies ist ein Vorurteil aus der Praxis, das häufig widerlegt werden muss.

„Wie lautet das Zwischen-Fazit?“

Die richtige Entscheidung! Dass Pflege mehr ist als „nur” Pflege, wird uns mit jedem Schul-, Praxis- und Vorlesungsblock bewusster: Höhere Sensibilität, ein umfassenderes Wissen um die Zusammenhänge von Anatomie, Alter, Gesundheit, Kultur, Gesellschaft etc. gibt der eigenen Persönlichkeitsentwicklung und Reife noch mal einen richtigen Schub. Das tägliche Umgehen mit den unterschiedlichsten Charakteren und anderen Generationen erweitern den eigenen Horizont, öffnen den Blick auf das gesellschaftliche und kulturelle Gesamtbild und schenken uns neue Perspektiven für Zukünftiges. Außerdem lernt man Kommilitonen aus verschieden Bereichen der Pflege kennen, wie z.B. der Heilerziehungspflege, Gesundheits- und Krankenpflege und Altenpflege. 

Natürlich sind die drei „Lernorte” mit Berufsfachschule, Ausbildungseinrichtung und Hochschule eine echte Herausforderung, zumal die Verknüpfungen untereinander nicht einfach herzustellen sind: Die komplexe Theorie in der Schule setzt einen pflegerischen Maßstab, der in der Praxis nicht immer konsequent einzuhalten ist; das Studium dagegen vermittelt uns eine weitere Wirklichkeit, die erstmal überhaupt nichts mit der „echten” Pflege zu tun zu haben scheint. 

Doch nach und nach wird sich der Schleier des Neuen lüften. Hilfreich sind dafür die Theorie-Praxis Reflexionen in der Hochschule, so wie die Begleitung in der Berufsfachschule durch die Lehrkräfte. Insbesondere Katharina Sumser (Lehrkraft an der Mettnau-Schule) ist für die Begleitung der studierenden Altenpflegeschüler und die Kooperation mit der katholischen Hochschule in Freiburg zuständig. 

Text:  Tobias Leber, Holger van Riesen, Christof Toscha 
mit Fachlehrerin Katharina Sumser


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