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Euthanasie - was geht uns das heute noch an?

25.11.2015 - „Das kann man sich nicht vorstellen“, sagte er. „Jeder einzelne eine Geschichte. Jeder ein Leben.“ - Aufrüttelnde und denkwürdige Worte, mit welchen Rainer Gross in seinem Roman „Grafeneck“ zu beschreiben versucht, was zu Zeiten des Nationalsozialismus dort  an unfassbar Unmenschlichem geschah.
Der Ausflug führte uns, eine Schülergruppe der Jahrgangsstufe 1 der Mettnau-Schule, zu diesem historisch wichtigen Ort. Eine Führung über das Gelände sollte uns innere Einblicke in die Geschichte von Grafeneck vermitteln, welches mit einer der ersten Orte war, an dem geistig behinderte und psychisch erkrankte Menschen systematisch im Auftrag des NS-Regimes ermordet wurden. Die sogenannte „T4-Aktion“, welche im Januar 1940 startete , forderte bis zum Dezember gleichen Jahres 10.654 Todesopfer. In der NS-Terminologie „lebensunwürdige“  Männer, Frauen und Kinder jeden Alters wurden in der Gaskammer von Grafeneck gezielt und ohne Skrupel ums Leben gebracht. Heute ist von all dem nichts mehr zu sehen. Ein einzelner großer Stein markiert die Stelle, wo einst die todbringende Baracke stand.

Um den Ermordeten der Euthanasie–Verbrechen zu gedenken, wurde eine offene Kapelle errichtet, welche als Gedenkstätte konzipiert ist. Hier können Angehörige und Außenstehende Anteil nehmen und sich ins Gedächtnis rufen, wie allgegenwärtig diese grausamen Taten unserer Vorfahren auch heute noch sind.
Durch fünfzehnjährige Forschung und  intensive Recherche ist es gelungen, ein Gedenkbuch zu erstellen, in dem die Namen von knapp 9000 Opfern aufgelistet sind. Doch mit großer Wahrscheinlichkeit werden dennoch einige Wenige namenlos bleiben, da trotz großer Rechercheanstrengungen die Namen aller Getöteten nicht vollständig rekonstruiert werden konnten.  Aufgrund dessen erinnert der Alphabet- Garten symbolisch an die bekannten und  auch ungenannten Opfer von Grafeneck.
Nachdem wir uns so intensiv mit unserer Vergangenheit auseinandergesetzt hatten, galt es nun wieder auf unsere gegenwärtige Zukunft zu blicken: Wir hatten einen Termin mit Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer, welcher uns  im neu renovierten Ratssaal des Rathauses empfing. Eine Stunde nahm sich der Grünen-Vertreter Zeit um all unsere Fragen ausführlich, charmant und äußerst souverän zu beantworten. Auch heikle Sachverhalte, wie seine Flüchtlingspolitik, für die er u.a. Kritik aus den  eigenen Reihen erntete,  waren kein Tabu-Thema. Ganz im Gegenteil vertrat und bekräftigte er seine Meinung und Einstellung mit sachlichen, schlagkräftigen Argumenten. Nach einstündiger intensiver Befragung und Diskussion war die Zeit dann auch schon um. Abschließend wurde noch ein gemeinsames Foto geschossen, als Erinnerung an einen eindrucksvollen und erfahrungsreichen Tag.

Text: Claudia Zimmermann, SG1.2   &   Bilder: Ralf Wössner, BTG1


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